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Dr. Claudia Nagel

BEHAVIORAL STRATEGY -
DENKEN UND FÜHLEN IM ENTSCHEIDUNGSPROZESS DAS UNBEWUSSTE UND DER UNTERNEHMENSERFOLG

von Charlotte B. Venema

Das Buch hat keinen geringeren Anspruch als einen Neuansatz in der Strategiearbeit zu bieten. Studien darüber, wie erfolgreiche Unternehmen strukturiert sind und wie sie ihre Position ausbauen, gibt es reichlich. Es fehlt jedoch an Ansätzen, die wirklichen Erfolgsfaktoren herauszuarbeiten. Deshalb ist die Aussagekraft dieser ganzen Forschung für die mittelständische Wirtschaft und Familienunternehmen relativ gering.

Die Autorin stellt den Prozess in den Mittelpunkt. Ihr Konzept zielt auf die Verbesserung des strategischen Denkens und dessen wirksame Umsetzung. Sie mutet den Entscheidern dabei einiges zu. Sie sollen sich durch Selbstreflexion ihrer ganz spezifischen Voreingenommenheit bewusst werden, um sich vor den Gefahren der Selbstgewissheit und Selbstsicherheit zu schützen. Auch die Angst vor Fehlern ist ein zentrales Thema des Buches. Da Angst eine Konstante im menschlichen Handeln ist, ist es erfolgsversprechender, sich dieser Prozesse und der überwiegend unbewussten Steuerungsmechanismen bewusst zu werden, statt "den Helden zu spielen".

Der besondere Ansatz des Buches liegt also darin, Gefühle, Ängste und die Bedeutung der besonderen Charakterzüge von Führungskräften in den Prozess der Strategieentwicklung einzubeziehen. Zitat: "Für die Vermeidung klarer Entscheidungen sowie für die Rationalisierung der Vermeidung gibt es jedenfalls psychologische Gründe und es macht Sinn, sich für diese Angst zu interessieren, um sich selbst auf die Schliche zu kommen."

Die Thesen sind in der Geschichte der strategischen Literatur gut fundiert. Man erhält Informationen über einige Aspekte, die bisher eher vernachlässigt wurden. Der Managern gut bekannte Clausewitz legte nicht nur Wert auf strategische Regeln, sondern betonte auch immer wieder den individuellen Denkprozess. "Allgemeine Überlegungen dürfen unter keinen Umständen die Rolle des individuellen Denkprozesses überleben." Die Autorin dazu: "Tatsächlich aber stehen weder der einzelne Mensch, der denkt, noch das individuelle (und erst recht nicht gemeinsame) Denken in unseren gegenwärtigen Methoden der Strategieentwicklung und der Reflexion der Strategie im Mittelpunkt."

Die Vorgehensweise weist einige Parallelen zu fundamentalen Erkenntnissen auf, die auch Verhandlungsprofis immer wieder betonen. Ungewohnt und neu für das Genre Managementliteratur sind dabei Kapitel wie "Die Bedeutung von Gefühlen für Entscheidungen", "Die körperliche Verankerung von Gefühlen", "Die Bedeutung von Angst als abgewehrtem Gefühl", "Drei Illusionen der Voraussicht" etc..

Gerade das macht das Buch spannend und bietet eine erfrischend neue Sichtweise auf das Thema Strategieentwicklung, das sich keinesfalls durch einen Mangel an Literatur auszeichnet. Eher geht der Leser im "Dschungel" der Angebote unter, die häufig nur Varianten altbekannter Ansätze bieten. Dazu lassen wir noch einmal die Autorin zu Wort kommen: "Mir geht es mit alledem darum, das strategische Denken aus dem Vorbehalt der vermeintlichen Rationalität herauszuholen und es in einen neuen Kontext zu stellen Das geht nicht, ohne bisherige Tabuthemen für die Wirtschaft zu öffnen. Dabei geht es um Dinge wie Angst, um das Unbewusste sowie ganz allgemein um Gefühle."

 

Dr. Claudia Nagel (2013)
Behavioral Strategy
Denken und Fühlen im Entscheidungsprozess -
Das Unbewusste und der Unternehmenserfolg
167 Seiten, gebundene Ausgabe
48,00 Euro, Unternehmer Medien GmbH, Bonn (1. Auflage)
ISBN-13: 978-3-937960-18-0