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Bylinski, Ursula (2014)

GESTALTUNG INDIVIDUELLER WEGE IN DEN BERUF

Der Band aus der bekannten Reihe der Berichte zur Beruflichen Bildung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) spiegelt die Ergebnisse einer qualitativen Studie wider. Untersuchungsgegenstand ist die Professsionalität der pädagogischen Fachkräfte, die am Übergang Schule-Beruf tätig sind. Leider macht erst der Untertitel deutlich, dass es hierbei um die Herausforderung geht, vor die Lehrkräfte von allgemeinbildenden wie beruflichen Schulen, sozialpädagogische Fachkräfte und Ausbilder / innen gestellt sind: Die individuelle Begleitung und (Lern-)Unterstützung junger Menschen.

Die Gestaltung des Übergangsprozesses steht bildungspolitisch an zentraler Stelle. Von daher war es nur folgerichtig, dass die Frage der Qualität der Professionalität der pädagogischen Fachkräfte in den Mittelpunkt dieses Forschungsprojektes gestellt wurde. Die zentralen Akteure des regionalen Übergangsmanagements (RÜM) bewegen sich vor allem auf zwei Tätigkeitsebenen; erstens bei der individuellen Unterstützung junger Menschen und zweitens bei der Vernetzung und Kooperation der betreffenden Akteure und Institutionen in multiplen Zusammenhängen. In Fallstudien, die an acht verschiedenen Standorten mit den genannten Pädagogengruppen untersucht wurden, ergab sich vor allem, wie wichtig die letztgenannte Ebene, die Netzwerktätigkeit, für die multiprofessionelle Zusammenarbeit im RÜM ist. Vernetzungen  und Kooperationen sind notwendige Voraussetzungen, um die erweiterten Aufgaben erfüllen zu können.
Schon mit den dem Buch vorangestellten O-Tönen aus der pädagogischen Praxis wird deutlich, dass die Situation der Praktiker und die zunehmenden Anforderungen an das pädagogische Personal im Mittelpunkt stehen. Die Bemerkungen einzelner Berufsschullehrer /innen oder Sozialpädagogen / Sozialpädagoginnen lassen ahnen, dass es für die gewachsene Komplexität des Übergangsbereiches Schule / Beruf keine Rezepte und Vorlagen gibt, sondern sich die Pädagogen immer wieder neu an die veränderten Gegebenheiten anpassen müssen.

In gewohnter Weise gut strukturiert und dargestellt, wird in sechs Kapiteln die Fragestellung untersucht, welche Kompetenzen pädagogische Fachkräfte für die anspruchsvolle Aufgabe im Rahmen einer regionalen Übergangsgestaltung und Begleitung der jungen Menschen benötigen:

  • Das erste Kapitel beschreibt die Komplexität des Übergangsgeschehens und die daraus resultierenden Anforderungen an das pädagogische Fachpersonal, so dass in der Folge Abstimmung und Kooperation der beteiligten Akteure unabdingbar würden.
  • Kapitel zwei befasst sich mit dem Wandel der Professionalität des Bildungspersonals beim Übergang von der Schule in den Beruf und die Arbeitswelt. Hier werden die forschungsleitenden Annahmen, theoretische Basis und Methodik zur Ermittlung der sich in Veränderung befindenden pädagogischen Kernkompetenzen ­erläutert.
  • Kapitel drei stellt die Ergebnisse des Forschungsprojektes unter Berücksichtigung von vier Themenfeldern vor: das regionale Übergangsgeschehen als Basis für pädagogisches Übergangshandeln (einschließlich der Netzwerkpraxis und des Netzwerkverständnisses), berufsgruppenbezogene Perspektive und multiprofessionelle Zusammenarbeit der Fachkräfte sowie die Kompetenzen aus Sicht der Befragten bzw. insgesamt.
  • Kapitel vier fasst die Kompetenzen zu einer Übersicht zusammen, die jedem Kompetenzfeld vier Teilkompetenzen in den Dimensionen Wissen, Können und Reflektieren zuordnet.
  • Kapitel fünf formuliert Handlungsempfehlungen für die Aus-, Fort- und Weiterbildung als integraler Bestandteil und Aufgabe eines regionalen Übergangsmanagements.
  • Kapitel sechs bestätigt die Annahmen der Studie. Demnach ergaben die erzielten Befunde, dass eine Neugestaltung des Übergangsbereiches auf den Ebenen individueller Ansatz und multiprofessionelle Zusammenarbeit eine neue Qualität der pädagogischen Fachkräfte ausmache.

Die vorliegende Studie ist solide aufgebaut und gut lesbar. Die Darstellung der Forschungsergebnisse ist eingängig, schnell ist das Wesentliche erfassbar. Auch die Handlungsempfehlungen sind aus Praxissicht als richtig und reflektiert zu unterschreiben. Abschließend kann man sagen, dass die Publikation im Großen und Ganzen die gefühlten Realitäten des pädagogischen Personals im Übergangssystem untermauert. Zu kurz kommen jedoch die Lehrkräfte von Bildungsträgern, deren Arbeitskonditionen die gleichen Aufgaben wie bei Berufschullehrern und Berufsschullehrerinnen vorsehen, deren Beschäftigungspraxis jedoch durch die oft üblichen, befristeten Projektverträge eine kontinuierliche Netzwerkarbeit erschwert, so wünschenswert diese auch wäre.

Dr. Cornelia Seitz

 

 

Bylinski, Ursula (2014)

GESTALTUNG INDIVIDUELLER WEGE IN DEN BERUF

170 Seiten, Format A5 mit Abbildungen, Softcover
29,90 Euro, Berichte zur beruflichen Bildung, BIBB,
W. Bertelsmann Verlag, Bielefeld,
ISBN 978-3-7639-1165-3, ISBN E-Book: 978-3-7639-5359-2