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Riedl, Alfred/ Tenberg, Ralf (2013)

BERUFSPÄDAGOGISCHE PRAXIS IN WISSENSCHAFTLICHER REFLEXION

Jubiläumsband für Andreas Schelten

 

Das Werk Berufspädagogische Praxis in wissenschaftlicher Reflexion zeigt sich als überaus wertschätzende, persönliche und wissenschaftsorientierte Hommage an den Berufspädagogen Prof. Dr. Andreas Schelten.

Seine Emeritierung im Oktober 2013 nahmen Ralf Tenberg und Alfred Riedl, die beide bei Andreas Schelten promovierten und habilitierten, zum Anlass, die berufspädagogischen Fachbeiträge von zahlreichen Qualifikant(inn)en Andreas Scheltens in einem Band zusammenzuführen, um sein Leben, sein Werk, seine Einstellung zur Berufsbildungsforschung und die Reichweite seines Wirkens darzulegen. Kernidee ist darüber hinaus, eine Brücke zwischen Berufsbildungsforschung und Berufsbildungspraxis zu schlagen. Dies geschieht, indem die ehemaligen Doktorand(inn)en ein Portfolio an berufspädagogischen Forschungsbeiträgen vorstellen, deren Ursprung oftmals in ihren Qualifikationsarbeiten liegt und die durch ihr aktuelles Wirken in der Schulpraxis bzw. Bildungsverwaltung insbesondere in der Lage sind, den Wissenschaftspraxisbezug herzustellen.

Eingeleitet wird der Sammelband durch ein Grußwort des Dekans der TUM School of Education, Manfred Prenzel, der Andreas Schelten als Lichtgestalt feiert und die besondere Bedeutung der beruflichen Bildung und empirischen Berufsbildungsforschung betont.

Anschließend wird der berufliche und wissenschaftliche Werdegang des Emeritierten von Riedl und Tenberg chronologisch veranschaulicht. Erwähnt werden die Stationen Lehramtsstudium für berufsbildende Schulen an der Technischen Hochschule (RWTH) Aachen (1968 1973) sowie Promotion und Habilitation bei Prof. Dr. Bunk in Gießen mit den Themen Lernstile im Unterricht bzw. Motorisches Lernen in der Berufsausbildung samt zwischenzeitlichem Referendariat (1973 1983). Des Weiteren wird auf den Ruf an die Universität Hamburg und die Technische Universität München verwiesen, an der er von 1987 bis 2013 die Berufspädagogik in Forschung und Lehre verantwortete. Danach wird auf die Grundhaltung Andreas Scheltens als berufspädagogischer Forscher mit hohem Praxis- und Realitätsbezug und als Empiriker im Sinne des kritischen Rationalismus eingegangen. Weiterhin werden seine theoretischen Wurzeln (z. B. Schlüsselqualifikationen nach Mertens bzw. Handlungsregulationstheorie nach Hacker und Volpert) und seine bearbeiteten Forschungsthemen (z. B. fächerübergreifender Unterricht, Lernfeldansatz, handlungsorientierter Unterricht, multimedialer Unterricht, Qualitätssicherung in der Lehrerbildung, konstruktivistischer Unterricht, Benachteiligtenförderung, Kooperation in der beruflichen Bildung usw.) analysiert; gleichermaßen sein Wirken als akademischer Lehrer (19 abgeschlossene Dissertationen, 2 Habilitationen) bzw. als Lehrerfortbildner. Diese Zwischenbilanz des Lebenswerkes schließt mit den Ausführungen zu seiner Rolle als Schriftleiter der Zeitschrift Die berufsbildende Schule von 2005 2013 und der retrospektiven Betrachtung zu seinen wechselnden ­Rahmenbedingungen und seinem Vorgehen als Lehrstuhlinhaber der TU München.

Als Intermezzo folgen Ausführungen von Prof. Dr. Ernst Uhe, der Andreas Schelten als Kommilitone, Kollege und Freund kennenlernte. Er legt seine persönliche Sicht auf das Leben, die Erlebnisse und das Wirken von Andreas Schelten dar und schließt mit guten Wünschen zum Ruhestand.

Es folgen die eingangs thematisierten wissenschaftlichen Beiträge von 14 Promovenden Scheltens und eines ehemaligen pädagogischen Mitarbeiters am Lehrstuhl für Pädagogik in München. Diese werden in alphabetischer Reihenfolge der Namen der Autor(inn)en präsentiert:

1. Ackerstein, Fritz: Schüleraktiver Experimentalunterricht als Teil einer Lernortkooperation
2. Adler, Michael: Methoden der ­konvergenten Medienforschung
3. Buchalik, Uwe: Von Anspruch und Wirklichkeit einer schülerzentrierten Lernkultur im beruflichen Unterricht
4. Erban, Tanja: Elternarbeit am ­Übergang Schule-Beruf,
5. Espe, Clemens: Komplexes Problemlösen und Vernetztes Denken als Hilfsmittel erfolgreichen Managements
6. Edda, Fiebig: Globales Lernen in beruflichen Schulen
7. Geiger, Robert: Der Deutsche Qualifikationsrahmen eine Zwischenbetrachtung
8. Girke, Uwe: Räume haben (Aus-)Wirkungen
9. Glöggler, Karl: Fachdidaktik Technik an der Technischen Universität München Forschung und Lehre an der Schnittstelle Universität/Schule
10. Haßlberger, Josef: Moderne Berufs­pädagogik Echter Fortschritt oder nur Pendelausschläge?
11. Hermann, Klaus: Pädagogik am Bauhaus
12. Müller, Manfred: Lehrerklassenteams (LKTs) eine schulorganisatorische Voraussetzung für die Umsetzung des Bildungsauftrags der Berufsschule?
13. Müller, Markus: ECVET Vom europäischen Konstrukt zur konkreten Operationalisierung
14. Schauhuber, Manfred: Der Kopenhagen-Prozess an der Berufsschule im Europaprojekt MOVET
15. Vögele, Michael: Externe Evaluation an beruflichen Schulen

Schon der erste Blick auf die Titel der Beiträge verdeutlicht die große Bandbreite der berufspädagogischen Forschung, die unter Förderung von Andreas Schelten entstand und sich gleichermaßen auf berufspädagogische Themen und die Makro-, Meso- und Mikroebene beruflicher Bildung bezieht. Zwei Beiträge, die nicht aus der Feder von Qualifikant(inn)en Andreas Scheltens stammen, runden den Sammelband ab. So befassen sich Ralf Reichenwald und Agnes Schimpanski mit der Professionalisierung von Dienstleistern, und Rainer Trinczek erläutert die Veränderungen im Berufsbildungssystem unter Perspektive des "Varieties of Capitalism"-Ansatzes.

Den Jubiläumsband Berufspädagogische Praxis in wissenschaftlicher Reflexion zu lesen, lohnt sich aus mehreren Gründen. Zum einen werden aktuelle, vielfältige und interessante Forschungsergebnisse zu praxisrelevanten Themen berufspädagogischer Forschung geboten. Zum anderen ermöglicht das Werk, Andreas Schelten als Mensch und Berufspädagogen aus der Perspektive seiner Freunde, Kollegen, Doktoranden und Habilitanden zu sehen. Wer sich darauf einlässt, wird sich dem Vorbild eines Berufspädagogen kaum entziehen können, dessen Lebenswerk, menschliche und wissenschaftliche Prinzipien und die Wertschätzung, die ihm entgegengebracht wird, für sich sprechen.

Prof. Dr. Alexandra Eder
Universität Kassel

 

Riedl, Alfred / Tenberg Ralf (Hrsg., 2013)
Berufspädagogische Praxis in wissenschaftlicher Reflexion
Jubiläumsband für Andreas Schelten
231 Seiten, Softcover,
Franz Steiner Verlag, Stuttgart, 46 Euro,
ISBN 978-3-515-10600-9