Startseite | Service-AGB-Datenschutz-Versandkosten | Mediainformationen | Autoreninfos | Impressum

W&B gehört seit 1948 zu den renommiertesten Fachzeitschriften der Beruflichen Bildung!

Severing, Eckart/Weiß, Reinhold (Hrsg.) (2014)

INDIVIDUELLE FÖRDERUNG IN HETEROGENEN GRUPPEN IN DER BERUFSAUSBILDUNG

Der Tagungsband in der Reihe der Berichte zur Beruflichen Bildung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) enthält Beiträge einer gleichnamigen Veranstaltung des Forschungsinstituts Betriebliche Bildung (f-bb) und des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft Berufsbildungsforschungsnetz (AG BFN). Im Mittelpunkt der Tagung stehen Konzepte, mit denen die Lern- und Integrationsprozesse in heterogenen Lerngruppen sowohl in Betrieben als auch in Berufsschulen besser gestaltet werden können. Hierbei wird auf die in den letzten Jahren zunehmende Problematik der Diversität von Auszubildenden Bezug genommen, die einerseits eine individuelle Förderung und gleichzeitig die Anforderungen an das Ausbildungspersonal erschweren. Im Vorwort werden mögliche Gründe für den Mangel an Strategien, mit dieser Herausforderung umzugehen, genannt.

So seien während der Ausbildungskrise viele Schulabgänger/-innen, die gestiegenen Kriterien an schulische Abschlüsse und Leistungen sowie Sprachfähigkeit nicht entsprachen, aus der konventionellen Berufsausbildung herausgefallen und stattdessen in die Bildungsgänge und Maßnahmen der so genannten Übergangssysteme eingemündet.
Oft hätten nicht Eignungsfragen, sondern ein Marktmechanismus dafür gesorgt, dass die Anforderungen an die Bewerbenden über die Anforderungen der späteren Berufstätigkeit hinausgingen. Auf diese Weise sei eine Externalisierung von Heterogenität hergestellt worden, während die Entwicklung von diagnostischen Instrumenten und Kompetenzen vernachlässigt worden sei.

Gegenwärtig sähen sich Unternehmen stärker herausgefordert, auch Jugendliche mit einem divergierenden Potential auszubilden. Diese z. T. auch durch die demografische Entwicklung bedingte Situation bedeute allerdings noch nicht, dass alle Selektionsmechanismen außer Kraft seien und die Verwirklichung eines Berufswunsches für viele Auszubildende noch nicht in Erfüllung gehen werde. Dennoch werde in der beruflichen Didaktik die große Herausforderung der kommenden Zeit darin bestehen, besser auf individuelle Weise unterschiedlich Lernende und Leistende zu fördern, wenn Qualifikationsreserven erschlossen und Abbruchquoten vermieden werden sollen.
Der Band fasst die zentralen Themen der Tagung in zwei Schwerpunkten zusammen. Der erste Teil stellt Konzepte von Individualisierung der Ausbildung am Lernort Betrieb vor:

p Der erste Beitrag beschreibt anhand von zwei Best-Practice-Beispielen Konzepte der assistierten Ausbildung und der Auftragsausbildung, bei denen sich als dritte Partner Bildungsträger an der dualen Ausbildung beteiligen, in Verbindung mit Ansätzen der Benachteiligtenförderung.
p Beitrag zwei prüft auf Grundlage der Ergebnisse zweier qualitativ-explorativer Studien, ob Verfahren des modularen IT-Weiterbildungssystems auf die berufliche Ausbildung übertragbar sind und dort als Instrumente einer besseren Individualisierung nutzbar sein könnten.
p Beitrag drei zeigt mit ausgewählten Ergebnissen aus dem BIBB-Modellversuch Neue Wege in die duale Ausbildung Heterogenität als Chance für die Fachkräftesicherung , dass die systematische Erfassung der Heterogenität der Auszubildenden und der Umgang damit zukünftig stärker die duale Ausbildung beeinflussen wird.
p Beitrag vier beschäftigt sich mit ausbildenden Migrantenunternehmen und den dort beschäftigten Jugendlichen, auch im Hinblick auf funktionalen Analphabetismus.
p Beitrag fünf befasst sich mit neuen Ansätzen, Jugendliche mit Schriftsprachdefiziten an die duale Ausbildung heranzuführen.

Der zweite Teil untersucht den Umgang mit Heterogenität am Lernort Schule und hebt hierbei Fragen der Sprachförderung hervor:
p Der erste Beitrag stellt Grundlagen einer kompetenzorientierten Förderdiagnostik zur Ermittlung individueller sprachlicher Ressourcen und Bildungsbedarfe von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Berufsvorbereitungsmaßnahmen vor.
p Beitrag zwei umfasst das Konzept und die Ergebnisse eines 2011 abgeschlossenen Berliner Pilotprojektes zum Aufbau eines Mentoring-Programms zwischen Auszubildenden nicht deutscher Herkunftssprache und Lehramtsstudierenden mit dem Fokus Sprachförderung.
p Beitrag drei stellt das Förder- bzw. Trainingsprogramm BEST in der Grundausbildung Bau vor, das primär zur Förderung leistungsschwächerer Auszubildender entwickelt wurde.


Der Tagungsband bietet eine Vielzahl von interessanten Konzepten, die auf verschiedenen Ebenen der Heterogenität in der beruflichen Ausbildung gerecht werden. Die aus den unterschiedlichen Beiträgen resultierenden Fragen fasst das Nachwort in einem thesenartigen Ausblick zusammen. Positiv hervorzuheben sind die Good-Practice-Beispiele wie auch Ergebnisse aus Modellversuchen und explorativen Studien. Als Abrundung der dargestellten Problematik hätte man sich wünschen können, dass diese auch im Hinblick auf die besondere Position der Lernortkooperativen hin untersucht worden wäre. Auch das wichtige Thema der Berufsschulunterstützung von Kleinstbetrieben, an der es oft noch fehlt, hätte die Debatte gewinnbringend ergänzt. Doch abschließend lässt sich sagen, dass die Publikation wichtige Informationen und Denkanstöße für alle bietet, die sich den heterogenen Anforderungen im Ausbildungsprozess stellen, um das darin liegende Potenzial nutzen zu können.

Dr. Cornelia Seitz, Leiterin Forschungsstelle,

Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft e.V.

 

Severing, Eckart/Weiß, Reinhold (Hrsg.) (2014)

Individuelle Förderung in heterogenen Gruppen in der Berufsausbildung
219 Seiten, Format A5 mit Abbildungen, Softcover
28,90 Euro, Berichte zur beruflichen Bildung, BIBB
W. Bertelsmann Verlag, Bielefeld
ISBN 978-3-7639-1167-7, ISBN E-Book: 978-3-7639-5386-8