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Rezension

Peter Modler:

Das Arroganz-Prinzip. So haben Frauen Mehr erfolg im Beruf

von Charlotte B. Venema

Eine kurze Suche auf Amazon ergibt 6.343 Bücher mit dem Wort Prinzip im Titel. Die meisten folgen dem Muster Das XY-Prinzip des Erfolgs oder so ähnlich. Und dann auch noch das Arroganz-Prinzip?

Was sich dahinter verbirgt, ist ein Buch über männliche und weibliche Sprach- und Verhaltensmuster. Wissenschaftliche Untersuchungen zu diesem Thema dürften bereits Regale füllen. An den bekannten Frauenquoten in Führungspositionen hat bisher keine Erkenntnis etwas Grundlegendes geändert. Dies hier ist eher ein pragmatisches Handbuch mit Analysen von Standardsituationen aus dem ganz normalen Unternehmensalltag. Es zeigt, wo sich das durchschnittliche Verhaltensrepertoire von Männern und Frauen unterscheidet und wie die Mehrheitsfraktion die Regeln vorgibt. Der Autor zitiert eine Langzeitstudie, nach der jede vierte Frau aus dem mittleren Management im Arbeitsalltag explizite Diskriminierungen von Frauen erlebt hat. Dabei ist das eigentlich der harmlosere Teil. Die Standardlösung in Auswahlverfahren dürfte eher die Suche nach der größtmöglichen Seelenverwandtschaft sein. Männer verstehen Männer zumindest im geschäftlichen Umfeld einfach besser als Frauen. Aber auch Frauen wirken kräftig an der Bestätigung der Verhaltensmuster mit.

Es fängt bereits bei der Berufswahl an. Etwas mit Menschen soll es sein, wo man anderen helfen kann. Anderen helfen zu wollen ist ehrenwert, aber kaum ein besonders karriere-förderndes Ziel. Eine interessante These ist, dass ausgerechnet das Mode gewordene Gerede von Personalern über den wachsenden Wert von Softskills im Management für Frauen attraktiv klingt und sie wiederum auf die falsche Fährte führt. Auch Machtstreben und Durchsetzungsvermögen sind Softskills, sie werden aber keineswegs entsprechend ihrer faktischen Bedeutung thematisiert. Für Männer ist das nicht weiter schädlich, da Konkurrenz und Machtstreben in der Regel bereits zu ihren selbstverständlichen Verhaltensmustern gehören. Da kann man sich ruhig mal mit ein paar schicken Vokabeln schmücken und zeigen, dass man den offiziellen Sprachgebrauch beherrscht.

Die zentrale These des Autors lautet: Männer nutzen im Gegensatz zu Frauen die Sprache als Machtinstrument, senden andere Botschaften über ihre Körpersprache aus und zeigen ein extremes Revierverhalten. Dagegen empfiehlt er Frauen den Einsatz der Arroganz nicht als Haltung, sondern als Mittel der Selbstbehauptung. Er hat dies zu einem Markenzeichen, dem Arroganz-Training, entwickelt.

Diese Ausgangsthese ist durch ungezählte sehr konkrete und lebensnahe Beispiele belegt. Damit wird das zwischenmenschliche Verhältnis nicht auf funktionale Beziehungen reduziert. Man kann schließlich in geeigneten Situationen immer noch umschalten. Aber man sollte als Frau im Arbeitsalltag zunächst mal ein Bewusstsein dafür entwickeln, was so als allseits anerkannte und praktizierte Verhaltensmuster in einem in der Regel immer noch männlich geprägtem Umfeld gilt. Frauen müssen das männliche Revierverständnis nicht teilen, und sie müssen es auch nicht persönlich hochschätzen. Aber wenn sie in betrieblichen Situationen damit zu tun haben, dann sollten sie es identifizieren und angemessen darauf reagieren können. Dem ist wenig hinzuzufügen.

Nimmt man das Buch als eine handfeste Anweisung zur Vorbereitung und Bewältigung real existierender Lebenswelten, wird es eine wertvolle Hilfe sein. Mehr Anspruch steckt auch nicht dahinter. Aber dem Anspruch, pragmatisch und ohne Illusionen zu verbreiten den Arbeitsalltag etwas durchschaubarer zu machen, wird es voll und ganz gerecht. Lesenswert, auf jeden Fall für Frauen. Auch für Männer? Für männliche ­Vorgesetzte, die schon immer Frauen fördern wollten, aber immer wieder in der Praxis an deren Eignung scheitern ­(sagen sie), könnte das Buch auch eine gute ­Hilfe sein wenn sie es denn ernst ­meinen!

 

Peter Modler (2011)
Das Arroganz-Prinzip: So haben Frauen mehr Erfolg im Beruf
Gebunden, 224 Seiten, 16,95 Euro,
ISBN 978-3-8105-1294-9, Krüger Verlag Frankfurt
Taschenbuch, 240 Seiten, 9,99 Euro,
ISBN-13: 978-3810512949, Fischer Verlag Frankfurt