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Gerd Schweizer, Ulrich Müller, Thomas Adam (Hrsg.)

Gerd Schweizer, Ulrich Müller, Thomas Adam (Hrsg.)

WERT UND WERTE IM BILDUNGSMANAGEMENT

Nachhaltigkeit - Ethik - Bildungscontrolling

von Jörg E. Feuchthofen

Ein (importiertes) Zitat auf der Seite 140 kennzeichnet die Linie aller 19 Beiträge in diesem Sampler: Fredmund Malik wagt die These, dass kein dauerhaft gut geführtes Unternehmen nach der Doktrin des Shareholder-Value geführt ist . Bemerkenswert, zumal Malik bereits vor der (Banken-)Krise 2008 im Shareholder-Value einen der größten Irrtümer der Management-Literatur der letzten Jahre gesehen hat (nach Bailom/Matzler/Tschemernjak 2006).
Das Buch bewegt sich im Spannungsfeld von Bildung und Management und will den Versuch einer gegenseitigen Befruchtung dieser Bereiche wagen, die in der unternehmerischen Praxis bisher zueinander eher skeptisch-kritisch eingestellt waren und sind. Dahinter steht nicht nur das Gliederungskonstrukt für ein Buch, das die Sichten externer Experten aus unterschiedlichen Disziplinen zu einem gemeinsamen Thema zusammenstellt. Der Sampler fußt vielmehr auf der Tagung 2. Ludwigsburger Symposium Bildungsmanagement des Instituts für Bildungsmanagement an der PH Ludwigsburg und der Deutschen Gesellschaft für Bildungsmanagement. Garantie genug, dass die dort aufgetretenen Autoren in die nachgeschaltete Buchversion ihrer Beiträge auch die intensiven Diskussion während der Tagung aufgenommen haben.

Der Blick auf die Vita der Mitwirkenden im Sampler zeigt, welche Sichtweisen hier einfließen. Dabei kommt die direkte Unternehmenserfahrung etwas kurz. Die Wissenschaft überwiegt, allerdings mit einem weiten Feld an pädagogischen und wirtschaftswissenschaftlichen Aspekten. Das ist zumal mit Blick auf den Fokus des Bildungsmanagements und angesichts der Fülle der Beiträge keine bedenkliche Verkürzung.
Insoweit ist es konsequent, wenn die Herausgeber in Anspruch nehmen, Anregungen für den wissenschaftlichen Diskurs zu geben und auch als Reflexion und Ergänzung bei der praxisorientierten Umsetzung dienen zu wollen. Informativ sind zudem die häufigen Anknüpfungspunkte an benachbarte Domänen, wie etwa dem Schul- und Personalmanagement.

Die Themen selbst sind Schlaglichter des schon erwähnten Spannungsbogens zwischen pädagogischen Ansprüchen und der Notwendigkeit eines effektiven Managements. Kernfragen eines unternehmerischen Wertmanagements bleiben nicht im abstrakten Raum, sondern reichen bis zu konkreten Fragen, etwa der Rolle von Führungskräften als neue Förderer von Lernkulturen . Dem stehen systematische und indikatorbezogene Überlegungen gegenüber: Wie kann ein effektives Bildungscontrolling Werte und Wirtschaftlichkeit aufnehmen, verbinden und zudem in seinen Parametern auch Wert- wie Werte steigernd in die Unternehmensleitungen zurückgeben ? Nachhaltigkeit erhält in diesem Zusammenhang nicht nur einen gesellschaftlichen bzw. betriebssoziologischen, sondern auch direkt (betriebs)wirtschaftlichen Ansatz.

Rezensionen verzichten aus gutem Grund meist darauf, die Beiträge eines Samplers in ihrem jeweiligen Wert zueinander zu gewichten. Gleichwohl sei es erlaubt, hier für den Leser einige Highlights hervorzuheben. John Erpenbeck fasst seine Überlegungen und Thesen zusammen, wie man systemisch Werte als Kompetenzkerne im Rahmen einer ganzheitlichen Selbstorganisation gestalten kann. Ein solches Kompetenzmodell sieht Werte als Ordner, die dem Handeln Vieler eine Richtung geben. Hoch aktuell ist auch 2013 der Ansatz von Ulrich Müller, den Wertebezug eines an Nachhaltigkeit orientierten Managements zu bestimmen und dabei zwangsläufig die Schlüsselrolle von Führungskräften zu betonen. Dieter Euler nimmt diesen Ansatz auf und konkretisiert die Rolle von Führungskräften als Promotoren moderner Lernkulturen, dies direkt am konkreten Arbeitsplatz als einem auch zu akzeptierendem Lernort. Und Gerd Schweizer/Céline Feige greifen Fragen der vertrauensbasierten Führung im Spannungsfeld von Kalkulation und Persönlichkeitsdisposition auf.

Das Buch erarbeitet eine Reihe von Lösungsansätzen, eher nach Maßgabe des Wie s statt des Ob s. Es ist damit mehr richtungsweisend denn instrumentell zu verorten. Daran knüpfen sich beim Leser weitere Fragen, die im Spannungsfeld von individueller Sicht und kollektiver Verantwortung stehen. Stichworte mögen hier Klugheit, Weisheit, aber auch Würde bei Führungskräften sein. Das Buch ist also lesenswert, auch für alle außerhalb der Wissenschaft, die im Sektor von Bildung und Management eine koordinierende oder gar Multiplikatorenfunktion wahrnehmen.

 

Gerd Schweizer / Ulrich Müller / Thomas Adam (Hrsg.) (2010)
Wert und Werte im Bildungsmanagement

Nachhaltigkeit Ethik Bildungscontrolling
341 Seiten, Format A5 mit Abbildungen, Softcover
34,90 Euro, W. Bertelsmann Verlag, Bielefeld, ISBN 978-3-7639-4237-4
auch als E-Book erhältlich ISBN 978-3-7639-4238-1