Startseite | Service-AGB-Datenschutz-Versandkosten | Mediainformationen | Autoreninfos | Impressum

W&B gehört seit 1948 zu den renommiertesten Fachzeitschriften der Beruflichen Bildung!

Klaus Hurrelmann / Heribert Karch (Hrsg.)

MetallRente Studie 2013

Jugend, Vorsorge, Fimanzen

Von der Generation Praktikum zur Generation Altersarmut?

von Charlotte B. Venema

Die Studie erschien erstmals 2010 vor dem Hintergrund der Insolvenz der Lehmann Bank und der folgenden weltweiten Wirtschaftskrise. Die nunmehr vorliegende, zweite Studie sieht die Jugendlichen mit einer schwelenden Finanz- und Wirtschaftskrise konfrontiert, die das Vertrauen vieler Menschen, aber insbesondere der Jugendlichen und jungen Erwachsenen, in die Stabilität des Finanzmarktes und des Euro erschüttert hat. Umso wichtiger ist es, den Bedarf und die Perspektiven der jungen Generation in den Vordergrund zu stellen. Sie ist viel mehr als die älteren Generationen auf eine Neufassung der Altersvorsorge angewiesen.

Die Studie legt dabei widersprüchliche Tendenzen offen. Die Mehrheit der Jugendlichen in Deutschland sieht optimistisch in die Zukunft. Dieser Optimismus hat in den letzten Jahren noch zugenommen, obwohl die wirtschaftlichen Aussichten in Deutschland durchaus skeptisch betrachtet werden. Diese Kluft überbrücken die Jugendlichen in ihrer Mehrheit durch positives Denken und einen starken Willen zur Leistung und zur sozialen Integration. Sie fürchten sich nicht vor Arbeitslosigkeit und fühlen sich gut versorgt. Sie handeln planerisch rational vor dem Hintergrund einer sozial engagierten Lebenshaltung. Dies erklärt die hohen Sparquoten der Jugendlichen und ihre Bereitschaft, etwas für ihre Altersversorgung zu tun.

Die Mehrheit der befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen hat also erkannt, dass sie unter den neuen Bedingungen etwas für ihre Altersvorsorge tun muss, wenn sie im Alter nicht arm sein will. Man folgt der gängigen Argumentation, die die Probleme der Demografie in den Mittelpunkt stellt. Zugleich aber bröckelt der Glaube an die bessere Rendite der privaten Rente. Das Erleben der Dauerkrise in den Märkten hat dazu geführt, dass Jugendliche Sicherheit noch größer schreiben als zuvor. Unternehmen und eine an sie angebundene zusätzliche Altersvorsorge erscheinen vielen Jugendlichen als sinnvolle Zwischenebene zwischen der Idee der großen Kollektivität und der kleinen privaten Eigenvorsorge. Betriebe und tarifliche Versorgungswerke scheinen ihnen jenen Puffer zu gewähren, um zwischen den Interessen der Einzelpersonen und einer gewinnorientierten Finanzwirtschaft zu vermitteln. Dies wird beim Vertrieb der allein auf der privaten Disposition aufbauenden Riester-Rente vermisst.

Damit bleibt noch das Thema der Finanzkompetenz. Der Rückzug des Staates aus der Altersversorgung hat die Verantwortung des Einzelnen für seine Altersfinanzierung erhöht. Das Interesse am Thema Finanzkompetenz ist ein Nebenprodukt dieses Prozesses.

Er hat jedoch seine Grenzen. Finanzbildung ist kein omnipotentes Instrument zur Bewältigung der Herausforderung. Bestimmte sozioökonomische Gruppen sind ganz einfach unempfänglich für Programme zur Vermittlung von Finanzwissen. Mehr noch: Wissen führt nicht unbedingt zu richtigem Verhalten. Wissen ist nicht notwendigerweise die einzige Zutat für richtiges Handeln.

Die Studie der MetallRente 2013 enthält nicht nur ein Stimmungsbild der Jugendlichen, sondern auch eine Analyse gesamtgesellschaftlicher Prozesse. Sie kann damit Unternehmen für ihr Nachwuchsmarketing, aber insbesondere auch für den Aufbau eigener, unternehmensspezifischer Angebote wichtige Hinweise bieten. Im Zusammenblick mit der ersten Studie ergeben sich Entwicklungslinien, die den Verdacht kurzfristiger Stimmungswechsel widerlegen. Derzeitige Trends sind langfristig angelegt und keineswegs von der Tagespolitik dominiert. Gerade deshalb ist die Auseinandersetzung mit den Ergebnissen der Studie eine wertvolle Entscheidungsgrundlage.

 

Klaus Hurrelmann / Heribert Karch (Hrsg.) (2013)
MetallRente Studie 2013
Jugend, Vorsorge, Finanzen
Von der Generation Praktikum zur Generation Altersarmut?
Taschenbuch, 220 Seiten, Verlag: Beltz Juventa, Weinheim und Basel
12,95 Euro, ISBN-13: 978-3779928812