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Charlotte B. Venema: Meine Meinung

Es ist passiert: Die Redaktion der W&B kommt nicht mehr umhin, die Genderfrage zu klären. Wie halten wir es mit der Gleichberechtigung der Geschlechter in der Sprache?

Auslöser ist unsere äußerst genaue und versierte Korrektorin, die an dem Sprachwirrwarr schier verzweifelt. Ich zitiere ihr Mail zu den Genderformen in den unterschiedlichen Texten: "Das machen die Autor/innen, Autor(innen), AutorInnen, Autoren/Autorinnen bzw. ­Autorinnen und Autoren nämlich alle unterschiedlich. Und als ob das nicht schon genug Verwirrung wäre, ist es manchmal auch noch sprachlich falsch. So heißt es "für Elektroinstallateur/innen, und das stimmt ja grammatisch nicht, denn wenn man "innen" anhängt, aber die männliche Form "für Elektroinstallateure" heißt, fällt Letztere in dem Fall komplett weg. Theoretisch müsste man da also "für Elektroinstallateure und Elektroinstallateurinnen" schreiben, was dann wiederum superholprig wird, zumal es öfter im Text vorkommt."

Die Frau spricht der Redaktion aus der Seele. Es ist einfach grauenhaft. Das Hessische Kultusministerium verwendet inzwischen statt "Schüler und Schülerinnen" konsequent das Akronym "SuS" und überlässt es dem armen Leser, wie er damit klarkommt. Man könnte also aus den "Bürgern und Bürgerinnen" das Akronym "BuB" machen, gelesen "die Bub" oder "die B-u-B". Die hochverehrten Autoren und Autorinnen der W&B würden folglich zu den "AuA". Das tut schon richtig weh. Aber wir bekennen uns schuldig, dass wir bisher "Autorenhinweise" verschickt haben, statt gendersprachlich korrekt von "Hinweisen für ­Autoren und Autorinnen" zu sprechen. Es kommt noch schlimmer. Ich bekenne hiermit, dass ich mit meinem sofortigen Austritt aus der Redaktion gedroht habe, falls meine Texte in irgendeiner Form auf Gendergerechtigkeit überarbeitet oder neudeutsch "gegendert" werden. Es reicht. Ich werde weiter von "Politikern" reden, wenn ich Männer und Frauen meine, die dieser Kaste angehören. Oder umgangssprachlich von Chefs, wenn ich männliche und weibliche Führungskräfte meine. Die penetrante Verwendung von weiblichen und männlichen Varianten bei der Bezeichnung von Personen, Berufen oder was noch so alles vorkommen kann, war und ist auf dem Weg zur Chancengleichheit der Geschlechter nicht hilfreich.

Die deutsche Sprache ist nicht das Problem. Das Problem ist die Annahme, mit den Worten "die Schüler der Realschule" oder "die Bürger des Landes" seien nur die männlichen Schüler respektive Bürger gemeint. Die Ergänzung der weiblichen Form "die Schüler und Schülerinnen der Realschule" und "die Bürger und Bürgerinnen des Landes" trägt erheblich dazu bei, Sprache sperriger zu machen. Sie leistet keinen Beitrag zur Umsetzung der Gleichberechtigung. Es ist eine Marotte des Zeitgeistes.