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Ideenschmiede Community

Josef Krieg: Meine Meinung

Ist die Idee der digitalen Community auf Unternehmen übertragbar? Ja und unbedingt! Die digitale Revolution mit ihrem Grundsatz "Alles, was digitalisierbar ist, wird digitalisiert" verlangt von allen Unternehmen weitreichende Innovationen, radikale Aufgabe tradierter Prozesse und fundamentale Änderung der Organisation. Ohne ein neues Verständnis von Kommunikation, Vernetzung und letztlich Führung ist dieser Wandel nicht machbar. Manche Unternehmen setzen soziale Medien ein, weil sie glauben, ihren "digital natives" damit einen Gefallen zu tun. Andere schotten sich vollkommen ab. Beides ist falsch. Der Technikkonzern Bosch hat nach eigenen Angaben weltweit 18.000 Learning Communities etabliert, die von Community-Managern unterstützt und geleitet werden. Sie sind Teil eines Ideenmanagements, das helfen soll, neue Ideen umzusetzen und Kosten zu sparen.

Learning Communities können Wissensquellen werden, aus denen innovative Ideen sprudeln und unternehmerische Projekte entstehen. Um wirklich erfolgreich zu sein, bedarf es einiger Voraussetzungen. Die Gründer der sozialen Netzwerke waren sich sicher, dass Menschen weltweit vieles von und über sich ins Netz stellen würden. Sie waren sich auch sicher, dass ebenso viele sich in Nischen oder Communities organisieren würden. Treiber dazu ist weniger die schiere Lust am digitalen Exhibitionismus. Menschen kommentieren durchaus freiwillig fantasievoll, teilen Erfahrungen, geben Rat oder suchen Gleichgesinnte für Aktionen, etwa die ersten Onlinecommunities in Amerika, die sich als basisdemokratischer Gegenentwurf zu Big Business, Zentralstaatsgewalt und Mainstreammedien verstanden. Hier aber liegt der Unterschied zu Unternehmen, die eben nicht basisdemokratisch organisiert sind, sondern "von oben" geführt werden. Dennoch brauchen Communities, wenn sie erfolgreich sein wollen, das Placet, verbunden mit einem sichtbaren Impuls "von oben". Warum sollten nicht auch Geschäftsführer selbst eine Frage oder Idee in "ihre" Community geben? Niemand zeigt mit einer Frage eine Wissensschwäche oder hebt mit einer Idee die Machtdistanz auf. Innovationen und Ideen haben mit einer Fehlerkultur zu tun, mit Versuch und Irrtum. Communities entstanden, weil Engagierte etwas verändern wollten. Dieses Anliegen muss erhalten bleiben. Es wird überraschend für manches Unternehmen sein zu erfahren, wie viel profundes Wissen in ihren Unternehmen steckt. Communities werden entscheidend dazu beitragen, Mitarbeiter zu engagierten und mitdenkenden Beschäftigten zu machen. Ausgangspunkt ist und bleibt die Haltung in den Unternehmen, die darüber entscheidet, ob Veränderungen dieser Art Wirklichkeit werden: Communities als interne Ideenschmieden.