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Milliardengrab?

Jörg E. Feuchthofen: Meine Meinung

Dass es mit genügend Kindern in Deutschland nicht klappt, hat sich herumgesprochen. Dabei wollen wir alle ja mehr. Als Gesellschaft insgesamt, versteht sich. Der Staat ist aufgerufen und bereit, Anreize zu geben. Das tut er schon lange. Familienpolitik nennt sich das. Das Angebot ist riesig. Es reicht vom Ehegattensplitting bis zum neuen Betreuungsgeld, von der Kinderzulage bis zum Kindererziehungsergänzungszuschlag . Und vieles andere mehr.

Geholfen hat das bisher nicht. Viele Experten meinen, dass die Anreize eher wirkungslos sind. Familienpolitische Leistungen sind ein historisch gewachsenes Patchwork. Mal hier, mal dort, je nachdem, welche politische Farbe regiert(e). Aber bei allen immer mehr. 200 Milliarden Euro kommen so im Jahr zusammen. Der Spitzenplatz in Europa! Aber ausgerechnet die teuersten Leistungen, so recherchierte jüngst DER SPIEGEL (6/2013), bringen oft die geringsten Resultate.

Noch schlimmer: Die Richtungen der staatlichen Leistungen sind nicht selten gegenläufig. Betreuungsgeld und Elternzeit ermuntern dazu, zu Hause bei den Kindern zu bleiben. Gleichzeitig wird der massive Ausbau der Kinderbetreuung außer Haus betrieben mit dem Ziel: schnell wieder in den Beruf. Für jedes Lebensprofil von Eltern also etwas? Wie auch immer: bisher ohne durchschlagenden Erfolg.

Experten haben jetzt den Vorschlag gemacht, den wilden und konfusen Förderdschungel zu lichten. Weg damit und dafür die Mittel in die Infrastruktur von Kitas und Ganztagsschulen stecken! Genug und verlässliche Bildung, heißt die Parole, auch für die Familienpolitik. Das hatten wir doch schon auf einem anderen Feld, für den Nachwuchs mit schlechten sozio-ökonomischen Startbedingungen. Bildung ist die Sozialpolitik des 21 Jahrhunderts!, schallte hier die Posaune.

Auch in der Familienpolitik kommt man dabei schnell zur Ideologie. Gouvernantenstaat, giften sich alle Seiten gegenseitig an. Man wolle als Staat Familien vorgeben, wie sie zu leben hätten. Die einen kritisieren das Primat von Arbeitsmarkt und Arbeitgebern, die anderen die Zementierung der Einverdiener-Ehe und damit der traditionellen Frauenrolle als Hausmutter. Ja, was denn nun?

Wer richtet sich eigentlich in erster Linie nach dem Wohl der Kinder? Die haben in jungen Lebensjahren keine Wahl, können nicht einmal gefragt werden. Dabei sind die ersten Jahre nach den Erkenntnissen der Hirnforschung prägend für das Leben. Wussten Sie schon, dass die Charakterbildung bis zum 5. Lebensjahr im Wesentlichen steht? Danach kommt nur noch die Politur.

Ohne Frage: Kinder kann man kollektivieren, auch in der Bildung. Das zeigt Schule als einer der Lebenswelten von Kindern, selbst in einer konservativen Gesellschaft. Davon geht die Welt nicht unter. Warum dann nicht auch das Modell Sparta und zuletzt die DDR? Es hat doch recht lange funktioniert. Aber soll ich, der einzelne Bürger, das auch mögen oder hier liegt der Grund des politischen Sees gar faktisch sogar müssen?

Recht frei von Ideologie sehen das Problem nur die Grünen. Sie haben pragmatisch formuliert, was eine wachsende gesellschaftliche Realität zu werden scheint. Familie ist da, wo Kinder leben. Egal, ob nur bei der Mutter, dem Vater, den Großeltern oder Verwandten oder sonst wo.

Hauptsache also, die Kinder werden schnell groß und wenig auffällig? Mit mir nicht. Ich setze auf Bildung, aber als Primärpflicht der Eltern, ob als Paar oder alleinerziehend. Der Nachwuchs hat im Zweifel Vorrang vor meinen eigenen Interessen. Wenn Eltern hier versagen oder sonst in geeigneter Form Hilfe brauchen, wird Bildung zu Recht eine Aufgabe des Staates. Falls dann nicht anders machbar, sei s drum, auch im ganztägigen Kollektiv. Aber bitte nur subsidiär!