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Wissenstransfer braucht Brückenbauer

Dr. Rainer Waldschmidt

Wissenstransfer ein großes Wort in aller Munde. Alle Welt spricht über das Thema in den unterschiedlichsten Zusammenhängen, doch an welche Definition halten wir uns? In welchem Zusammenhang nutzen wir das Wort? Ist Wissenstransfer nur im herkömmlichen Sinne zu verstehen als die Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, also beispielsweise im Technologietransfer? Wenn also Unternehmen mit wissenschaftlichen Institutionen kooperieren wollen, um Innovationen hervorzubringen, oder wenn Forschungsergebnisse in unternehmerische Praxis einfließen dann handelt es sich dabei um den Transfer von Wissen. Oder ist Wissenstransfer am anderen Ende des Spektrums im neueren Sinne jegliche (ungesteuerte) Form der Kommunikation zwischen Experten und Laien oder noch extremer der Kommunikation von jedem mit jedem? Wenn mir also mein Sohn Sinn, Zweck und Funktionsweise von sozialen Netzwerken erklärt, ist das Austausch von Erfahrungswissen. Oder wenn ein Arzt dem Patienten die Diagnose erläutert und damit Entscheidungshilfen schafft. Was Lehrer ihren Schülern vermitteln, ist in erster Linie Wissenstransfer. Wir sollten also genau bedenken, in welchem Zusammenhang wir von "Wissenstransfer" sprechen, und welche Funktion er erfüllen soll.
 
Wissenstransfer, der der Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes dienen soll, kann nicht allein auf der Kommunikation zwischen Laien und Experten beruhen, so befruchtend und sinnvoll der Austausch auf dieser Ebene auch sein mag. Für die genannten großen Ziele einer Gesellschaft bedarf es der Schaffung von Strukturen für die Moderation des Wissensaustausches als öffentliche Aufgabe. Schnittstellen wie die Hessen Trade & Invest GmbH vermitteln zwischen Unternehmern und Wissenschaftlern, um Kooperationen zu ermöglichen. Kooperationspartner müssen sich schließlich finden, um Wissen auszutauschen das kann der Markt alleine nicht regeln. Der eine muss vom Angebot oder der Nachfrage des anderen erfahren, und dies idealerweise über institutionalisierte Kanäle. Technologietrends müssen kommuniziert werden, damit sich Unternehmen rechtzeitig mit neuen Produkten und Verfahren darauf einstellen können. Unterschiedliche Denk- und Herangehensweisen bei Wissenschaftlern und Unternehmern bedürfen der Übersetzung, damit gemeinsame Projekte erfolgreich enden. Unternehmen leisten auch Wissenstransfer in Netzwerken: Sie tauschen Kompetenzen aus und arbeiten projektweise zusammen. Ohne entsprechende Strukturen, die Impulse aufgreifen und lenken, würden innovative Energien verpuffen.

Die Hessen Trade & Invest GmbH ist in Hessen die Plattform des Landes, die den Wissenstransfer für Unternehmen und Wissenschaftseinrichtungen systematisch bündelt. Dafür gibt es verschiedene Instrumente des Austauschs, zum Beispiel die intelligente Suchmaschine "Forschungsfinder Hessen", die schnell zur Aufgabenstellung der Unternehmen das passende Forschungsangebot der hessischen Hochschulen mitsamt Kontakten liefert, und verschiedene technologiespezifische Unterstützungsangebote. Auf Foren und Veranstaltungen treffen sich Gesprächspartner und knüpfen Kontakte in der realen Welt, Kompetenzatlanten liefern Wissen über Branchen. Über die Jahre haben sich die Instrumente und organisatorischen Strukturen verändert und an neue Anforderungen angepasst. Aber auch das hat mit Wissenstransfer zu tun: die Fähigkeit, flexibel auf neue Erkenntnisse zu reagieren. Wissenstransfer ist daher nicht nur ein strukturierter Austausch von Wissen, sondern auch ein permanenter Anpassungsprozess.