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Erfolgskritisch: Qualität der Beschulung

Statement: Prof. Dr. Reinhold Weiß, BIBB

In der Koalitionsvereinbarung haben sich die Regierungsparteien darauf verständigt, in der laufenden Legislaturperiode die Qualität der Berufsausbildung in den Blick zu nehmen. Gründe dafür finden sich nicht zuletzt in der hohen Zahl ­vorzeitiger Vertragslösungen. Dazu sollen unter anderem das Programm VerA ausgebaut und Modelle der assistierten Ausbildung gefördert werden. Zudem eröffnet die Ankündigung einer Evaluation des Berufsbildungsgesetzes Spielraum für Spekulationen. So wichtig die rechtlichen Rahmenbedingungen auch sind, kommt es doch entscheidend auf die Träger der Berufsbildung an, die Ausbildungsbetriebe und die ­Berufsschulen.

Ausbildungsbetriebe haben es in der Hand, die Qualität ihrer Ausbildung zu verbessern und die Ausbildungsleistungen für potenzielle Bewerber transparent zu machen. Für junge Menschen ist dabei vor allem entscheidend, welchen Stellenwert die Ausbildung im Unternehmen hat, wie die Betreuung gewährleistet ist und wie es nach der Ausbildung weitergeht. Sie wollen wissen, wie die Übernahme- und Beschäftigungsaussichten sind oder wie die Verdienstmöglichkeiten und Weiterbildungsangebote aussehen. Der Wettbewerb unter den Betrieben und Branchen wird nicht nur Anstöße für eine Qualitätsentwicklung geben, sondern auch dafür sorgen, dass Betriebe mit der Qualität ihrer Ausbildung, Zusatzqualifikationen und Auslandsaufenthalten werben.

Sorgen bereitet indessen die Gewährleistung eines fachlichen, auf die einzelnen Ausbildungsberufe ausgerichteten Berufsschulunterrichts. Angesichts zurückgehender Schülerzahlen ist eine wohnort- bzw. ausbildungsplatznahe Beschulung in Fachklassen an vielen Standorten  vor allem in der Fläche  nicht mehr aufrechtzuerhalten. Entweder müssen die Auszubildenden verschiedener Ausbildungsberufe zusammengefasst und das Fachklassenprinzip aufgegeben werden. Oder die Auszubildenden müssen weitere Fahrtwege und die Betriebe eine ­Beschulung in überregionalen Bezirks- oder Landesfachklassen sowie Blockunterricht akzeptieren.

Ein noch größeres Problem stellt indessen die Sicherung der Qualität des Berufsschulunterrichts dar. Der Nachwuchs an einschlägig qualifizierten Lehrern reicht bei weitem nicht aus, um die aus Altersgründen ausscheidenden Jahrgänge zu ersetzen. Dies gilt vor allem für die gewerblichtechnischen Ausbildungsberufe. Rückgänge der Schülerzahlen sowohl in den Bildungsgängen des Übergangsbereichs wie auch bei den Auszubildenden werden zwar für eine tendenzielle Entspannung sorgen. Sie kann und darf aber nicht davon ablenken, dass hier eine Zeitbombe tickt. Die Wirkung geht über die berufsbildenden Schulen hinaus, denn eine mangelnde Unterrichtsversorgung  sowohl in quantitativer wie qualitativer Hinsicht  hat unmittelbar Auswirkungen auf die Ausbildungsfähigkeit und -bereitschaft von Betrieben.

Längst behelfen sich die Länder mit der Anwerbung von Seiteneinsteigern, vor allem aus den Ingenieurwissenschaften. Auch werden, wie neuerdings in NRW, Ausbildungsmodelle in Kooperation mit Fachhochschulen erprobt. Dies erscheint durchaus als ein tragfähiger Weg, zumal die Abschlüsse von Fachhochschulen und Universitäten dem gleichen Niveau zugeordnet sind. Es wäre an der Zeit, dass sich dies auch im Dienstrecht niederschlägt. Abzuwarten bleibt indessen, inwieweit sich aus den Modellen tragfähige Konzepte entwickeln, um den Bedarf an Berufsschullehrern quantitativ und auf dem erforderlichen Niveau zu gewährleisten.