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W&B gehört seit 1948 zu den renommiertesten Fachzeitschriften der Beruflichen Bildung!

Verantwortung und Persönlichkeit

Statement: Oliver Stoisiek, Deutsche Bank

Ausbildungsangebote sollten hohen qualitativen Ansprüchen genügen. Wer würde dieser Forderung widersprechen? Aber was macht eine hochwertige Ausbildung aus? Eine gute IHK-Abschlussprüfung? Ein hoher Praxisbezug, der passgenau auf den späteren Beruf vorbereitet? Gute berufliche Perspektiven nach der Ausbildung? Eine gute Betreuung? Die Summe all dieser Ziele? Falls Sie mit ja antworten sind alle Ziele gleich gewichtet, oder sind manche wichtiger? Falls Sie mit nein antworten, welche Ziele fehlen Ihnen bzw. welche der genannten Ziele sind Ihnen nicht wichtig? Und was genau macht beispielsweise eine gute Betreuung aus?

Die Aufzählung möglicher Anforderungen an eine hochwertige Ausbildung zeigt: Um über Qualität in der Ausbildung sprechen und diese beurteilen zu können, muss vorab definiert werden, was unter (hoher) Qualität in der Berufsausbildung zu verstehen ist. Und mangels allgemeingültiger Qualitätsstandardsfür die Berufsausbildung sind hier unterschiedliche Schwerpunktsetzungen je nach eigenem Standpunkt zu erwarten.

Seitens der Deutschen Bank haben wir uns mit dieser Fragestellung zuletzt mit Einführung unseres neuen Ausbildungskonzepts New Generation beschäftigt. Dabei sind wir outputbezogen vorgegangen (zu was soll die erfolgreiche Absolvierung unserer Ausbildung befähigen?), um dann die zu vermittelnden Inhalte und die Formen der Inhaltsvermittlung festzulegen.

"Aber obgleich man Qualität nicht definieren kann, wissen Sie, was Qualität ist!" Robert M. Pirsig: Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten.Diesen Qualitätszielen entsprechend gliedert sich unser Ausbildungskonzept in drei Schwerpunkte: Theorie, Verantwortung und Praxis. Die Lerninhalte aller drei Säulen ergänzen und verstärken sich gegenseitig.

1. Theorie legt die bankfachlichen Grundlagen und bildet alle prüfungsrelevanten Wissensbereiche ab. Ziel ist die gute Vorbereitung auf die Abschlussprüfung vor der Industrie- und Handelskammer zur Bankkauffrau/zum Bankkaufmann. Neben dem standardmäßigen Unterricht an der Berufsschule werden die Auszubildenden durch verschiedene Lernmedien der Frankfurt School of Finance and Management und durch zugehörige Seminare vorbereitet. Die jeweiligen Inhalte orientieren sich an der bundesweit einheitlichen Ausbildungsordnung der Industrie- und Handelskammer für den Ausbildungsberuf "Bankkaufleute".

2. Praxis bereitet die Auszubildenden kontinuierlich auf eine Tätigkeit im Privatkundengeschäft vor. Die bankinterne "PBC Academy" trägt hierzu durch die Durchführung der Praxistrainings entscheidend bei. Die Seminare bauen überwiegend auf den bereits erlernten theoretischen Grundlagen der Teilnehmer auf. Zur eigenverantwortlichen Weiterbildung werden u. a. Online-Lernmodule genutzt, deren Bearbeitung teilweise Voraussetzung für die Teilnahme an den Seminaren ist. Zudem werden weitere Lernmodule zur Bearbeitung empfohlen.

3. Verantwortung unterstützt darin, individuelle Kompetenzen und persönliche Stärken zu nutzen und weiterzuentwickeln. Ziel ist es, die Auszubildenden auf ihrem Weg zu eigenverantwortlichen und verantwortungsbewussten Mitarbeitern zu begleiten. Es sollen persönliche Kompetenzen weiterentwickelt, der Blick für den eigenen Standpunkt geschärft und zudem soziales und gesellschaftliches Engagement unterstützt werden. Die Vermittlung dieser Werte an die Auszubildenden ist speziell Aufgabe der regionalen Berufsausbilder und der so genannten "Ausbildungsbeauftragten" (ABB), die Ansprechpartner der Nachwuchskräfte in den jeweiligen Filialen sind.

Während wir den ersten beiden Zielen schon seit jeher eine große Bedeutung zugemessen haben und sich hier eher die Frage nach den jeweils adäquaten Lernmethoden stellt , ist die Betonung der dritten Säule Verantwortung in dieser Form neu.

In einer Zeit, in der unseren potentiellen Auszubildenden aufgrund der demografischen Entwicklung viele berufliche Optionen offenstehen und damit jede Festlegung gleichzeitig die Absage an viele Alternativen bedeutet , unsere Auszubildenden "always on" sind und sich permanent mit ihren Freunden auch über Karriereentscheidungen vergleichen, ist es besonders beim Übergang von Schule in den Beruf wichtig, den eigenen Kompass der Auszubildenden als Gradmesser für den persönlichen Erfolg zu stärken.

Dies bedeutet konkret, dass wir unseren Auszubildenden transparent aufzeigen, welche Entwicklungsmöglichkeiten sie in welchen Zeitabständen und bei welchen Leistungen haben, ihnen regelmäßiges Feedback zu den eigenen Leistungen geben, sie durch Seminare zur persönlichen Standortbestimmung und zu souveränem Auftreten unterstützen und ihnen Partizipationsmöglichkeiten innerhalb der Ausbildung durch verschiedene freiwillige Angebote (wie das FAZ-Börsenspiel oder spezifische Wahlstationen) unterbreiten. Es bedeutet gleichzeitig, dass wir sie ihrerseits regelmäßig um Feedback zur Ausbildung bitten, ihre Rückmeldungen bei der Weiterentwicklung unserer Angebote berücksichtigen und sie über entsprechende Anpassungen informieren, ihre Erwartungen an die Bankausbildung erfragen und ihnen die Erwartungshaltungen der verschiedenen Anspruchsgruppen der Bank an sie erläutern.

Alle diese Aktivitäten dienen dazu, unsere Auszubildenden bei ihrem Start in das Arbeitsleben zu unterstützen und sie dabei zu begleiten, die ersten beruflichen Schritte erfolgreich zu gehen.

Dieses Vorgehen stellt auch höhere Anforderungen an unsere Ausbilder und Ausbildungsbeauftragten. Neben der Vermittlung von Fachinhalten wird auch die Expertise darüber, wie Jugendliche heute ticken , mit welchen Medien sie kommunizieren, welche Werte sie haben und was sie von einem Ausbildungsplatz erwarten, immer wichtiger, um die Aufgabe als Lernbegleiter auszufüllen. Auch zunehmend heterogene Ausbildungsgruppen fordern eine intensivere und individuellere Betreuungsleistung durch die Ausbilder. Vor diesem Hintergrund ist auch die Rolle des Ausbilders als Intermediär zwischen den Auszubildenden und ihren Vorstellungen einerseits und den Erwartungen des erfahrener Bankmitarbeiters und des Bankmanagements andererseits nicht einfacher geworden. Ausbilder und Ausbildungsbeauftrage, die ihre Rolle so wahrnehmen können und wollen, machen da bin ich sicher einen spürbaren qualitativen Unterschied.

Eine hochwertige Ausbildung ist nicht einfach zu haben, weder vom ausbildenden Betrieb noch von den Auszubildenden. Im heutigen Kontext sind eine gute Vorbereitung auf die Abschlussprüfung und die erste Tätigkeit nach der Ausbildung zwar unverändert wichtig. Doch wer seinen Auszubildenden darüber hinaus eine individuelle Betreuung, persönliche Entwicklungsperspektiven nach der Ausbildung, das Angebot zur Teilhabe am Arbeitsgeschehen und die Vermittlung einer sinnhaften Tätigkeit bieten kann, die auch Spaß macht, wird von seinen Auszubildenden das Qualitätsurteil "gut bis sehr gut" erhalten.

Am Ende, davon bin ich überzeugt, hat die Attraktivität einer Ausbildung neben dem notwendigen Bekanntheitsgrad auch etwas mit der gebotenen Qualität zu tun. 

Trotz Finanzkrise und Trend zu höheren Bildungsabschlüssen erfreut sich der Beruf Bankkaufmann/-frau nach wie vor hoher Beliebtheit, gerade auch bei Abiturienten.

Im Ausbildungsreport der DGB-Jugend, der die Frage der fachlichen Qualität verschiedener Ausbildungsberufe durch die Befragungen von Auszubildenden der 25 am stärksten besetzen Ausbildungsberufe jährlich beantwortet, ist der Beruf des Bankkaufmanns/der Bankkauffrau seit Jahren auf einen der Top-Plätze abonniert.

Unverändert gilt, mit einer Bankausbildung macht man nichts falsch. Man lernt, mit verschiedensten Kunden erfolgreich zu agieren und zu kommunizieren, sich in einem internationalen Unternehmen wie der Deutschen Bank souverän zu bewegen und aufzutreten  Kompetenzen, die weit über den direkten Ausbildungsbezug hinaus in verschiedensten Kontexten hilfreich sind. Eine Bankausbildung ziert den Lebenslauf und befähigt neben der Tätigkeit in einer Bank auch zu vielen Einsatzmöglichkeiten in anderen Branchen außerhalb der Kreditwirtschaft, in denen die Kompetenzen und das Wissen um wirtschaftliche Zusammenhänge von Bankkaufleuten ebenfalls hoch geschätzt werden. Dies wird auch durch unsere Auszubildenden bestätigt. Danach befragt, ob sie ihre Ausbildung Freunden weiterempfehlen würden, antworteten 86 % mit ja.