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Potenzialmanagement im Mittelstand

Prof. Dr. Stephan Fischer

POTENZIALMANAGEMENT IM MITTELSTAND

 

Das Thema Potenzialmanagement stellt schon heute eine der zentralen Herausforderungen für Unternehmen dar. Für Analyse und Entwicklung sollten sich kleine und mittlere Unternehmen vernetzen und externe Expertise einholen.

Unternehmen sind aktuell mit zwei zentralen Herausforderungen konfrontiert: steigender Komplexität und War for Talents. Die Komplexität steigt u. a. durch die zunehmende Globalisierung und eine veränderte Nachfrage, die von der Komponente über das System hin zur Dienstleistung geht. Der War for Talents ist eine Konsequenz der demografischen Entwicklung sowie der spezifischen Anforderungen der Generation Y und bewirkt u. a. eine steigende Professionalisierung des Personalmarketings mit entsprechender Arbeitgebermarke. Vor dem Hintergrund dieser Herausforderungen kann es für Unternehmen aller Größen einen Wettbewerbsvorteil darstellen, ein gezieltes Management von Potenzialträgern zu betreiben. So kann die steigende Komplexität im Unternehmen erfolgreich bewältigt werden. Außerdem wirkt es sich positiv auf die Arbeitgebermarke aus. Hier stellen sich jedoch sofort zwei Fragen: Wie funktioniert eine auf Potenzial fokussierte Auswahl und Entwicklung von Mitarbeitern in komplexer werdenden Unternehmen? Und was bedeutet das für die besondere Situation der KMU? Zur Beantwortung der Fragen muss zunächst klar definiert werden, was genau Komplexität in Unternehmen ist und was sich hinter dem Begriff Potenzialmanagement verbirgt.

Komplexität in Unternehmen meint, dass jedes Unternehmen in einem speziellen Umfeld (z. B. Markt, Technologie, Gesellschaft) agiert, das sich durch eine spezifische Dynamik und Komplexität auszeichnet. Akademisch lässt sich das folgendermaßen ausdrücken: In der Systemtheorie werden komplexe Systeme so beschrieben, dass die Komplexität mit der Anzahl an Variablen (= Quantität), der Anzahl an Verknüpfungen zwischen diesen Variablen (= Interdependenz), der Funktionalität dieser Verknüpfungen wie z. B. Nicht-Linearität (= Qualität) und der Veränderungsrate (= Variabilität) steigt. Ein Unternehmen überlebt langfristig nur, wenn es sich an diese komplexe Umwelt anpasst. Dazu muss das Management klare Visionen, Ziele und Strategien für eine optimale Anpassung entwerfen. Entscheidend für den Erfolg ist dabei, dass die innere Dynamik des Unternehmens für die Komplexität des Umfelds adäquat ist. Dazu besagt das so genannte Gesetz der erforderlichen Varietät: Nur solche Systeme mit einem hohen Maß an innerer Systemkomplexität sind in der Lage, eine noch höhere Umweltkomplexität zu verarbeiten. Etwas vereinfacht lässt sich der Zusammenhang zwischen Umweltkomplexität, Unternehmenskomplexität und den immer komplexeren Anforderungen an Mitarbeiter wie folgt darstellen (s. Abb. 1).

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