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Zu wenig Geld für Weiterbildung?

Dr. Normann Müller

ZU WENIG GELD FÜR WEITERBILDUNG?

 

Die Finanzierung beruflicher Weiterbildung ist in Deutschland weitgehend Sache von Betrieben und Beschäftigten. Aber der allenfalls durchschnittliche Umfang ihrer Weiterbildungsaktivitäten lässt vermuten, dass beide Seiten zu wenig investieren. Zwei mögliche Ursachen werden im Beitrag diskutiert.


(Unter-)Finanzierung beruflicher Weiterbildung?

Die berufliche Weiterbildung in Deutschland wird im Gegensatz zu den übrigen Bildungsbereichen weitgehend in privater Verantwortung finanziert; Betriebe und Beschäftigte bringen den Großteil der erforderlichen Mittel selbst auf. Wie hoch die jeweiligen Beiträge beider Seiten bei der Finanzierung ausfallen, hängt unter anderem davon ab, in welchem Maße eine Qualifizierungsmaßnahme ausschließlich beim aktuellen Arbeitgeber (spezifische Qualifikationen) oder auch bei potenziellen weiteren Arbeitgebern (übertragbare Qualifikationen) von Nutzen sein könnte. Im ersten Fall steigt der Finanzierungsanreiz für Betriebe, im zweiten der für Beschäftigte.

Die öffentliche Hand engagiert sich im Wesentlichen dann, wenn eine Unterfinanzierung befürchtet wird. Zum Beispiel bieten die Volkshochschulen zu großen Teilen allgemeine, politische und kulturelle Weiterbildung an, die neben dem Nutzen für einzelne Nachfrager mutmaßlich einen Zusatznutzen für die Gesellschaft hat. Da dieser soziale Nutzen in der Einzelnachfrage unberücksichtigt bleibt, würden die Marktpreise, die sich ohne staatliche Subventionierung für diese Angebote ergäben, vermutlich mit einer zu geringen Nachfrage gemessen am gesamtgesellschaftlichen Nutzen einhergehen. Unterfinanziert wäre ohne staatliche Intervention auch die Weiterbildung für Arbeitslose. Die private Bereitstellung von Mitteln scheitert hier daran, dass kein Arbeitgeber existiert und die Arbeitslosen die Mittel ohne Erwerbseinkommen nicht selbst aufbringen können. Daher übernimmt die Bundesagentur diese Finanzierungsaufgabe.
Eher zurückhaltend engagiert sich die öffentliche Hand aber seit jeher in der beruflichen Weiterbildung für Beschäftigte. Dies wird üblicherweise darauf zurückgeführt, dass die mit frühen Bildungsphasen (Allgemeinbildung, Erstausbildung) verbundenen sozialen Nutzen in späteren Bildungsphasen abnehmen und vor allem die privaten Akteure also Betriebe und Beschäftigte selbst von der Weiterbildung profitieren (BMBF 2004, S. 181 184; eine Ausnahme bildet die Förderung der Aufstiegsfortbildung, die auf eine Ergänzung bisher erworbener Ausbildungsabschlüsse abzielt und insofern auch Ausbildungscharakter besitzt).

Durch die finanzielle Unterstützung soll wohl auch eine Gleichstellung mit tertiären Ausbildungsgängen erreicht werden. In den vergangenen Jahren sind jedoch die stagnierenden Teilnahmequoten, das international eher durchschnittliche deutsche Abschneiden mit Blick auf die betrieblichen sowie individuellen Weiterbildungsaktivitäten und die bestehenden Disparitäten in der Teilnehmerstruktur in den Blick von Wissenschaftlern und Politikberatern geraten (Baethge/Severing/Weiß 2013). Diese Phänomene werden mitunter als Symptome eines Marktversagens in der beruflichen Weiterbildung betrachtet, mit dem die Unterfinanzierung dieses Bildungsbereichs einhergeht (ebd., S. 8 9). Der vorliegende Beitrag diskutiert in diesem Lichte zwei mögliche Ursachen einer entsprechenden Unterfinanzierungsproblematik und präsentiert Befunde eines Forschungsprojektes.

 

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