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Viel zu wichtig zum Nichtstun

Marion Kopmann

Wer sagt, dass man im Ruhestand nicht mehr beruflich aktiv sein darf? Immer mehr erfahrene Fach- und ­Führungskräfte finden: Mit 66 Jahren ist noch lange nicht Schluss! Ein Glück, sagen Unternehmen, die zunehmend unter dem demografischen Wandel leiden.


Als Karl Schneiders letztes Jahr in Ruhestand ging, schien alles perfekt: Endlich würde er seiner Leidenschaft für fremde Länder nachgehen und ausgiebige Reisen machen können. Nach über 45 Jahren als Entwicklungsingenieur, zunächst in einem Ingenieurbüro, später verantwortlich für das Osteuropageschäft eines mittelständischen Maschinenbauers, freute er sich auf den "dritten Lebensabschnitt". Zuvor hatte er seine Aufgaben sorgfältig aufbereitet und an sein Team bzw. den jüngeren Nachfolger übergeben.

Es dauerte genau zwei Monate, bevor Schneiders begann, ruhelos durch die Wohnung zu tigern. Die Reise durch Südamerika war schön gewesen, keine Frage, und der Spanisch-Sprachkurs machte auch Spaß. Aber es fehlte der konkrete Bezug zum Alltag, er vermisste die Gespräche mit den Kollegen, das Mitfiebern bei großen Aufträgen, das beinah nebensächliche Lernen in seinem Fachgebiet, die Zugehörigkeit zur Gruppe.

Auf der anderen Seite entwickelte sich bei seinem alten Arbeitgeber vieles anders als gedacht: Zwei Großprojekte, die lange in der Pipeline waren, wurden zeitgleich in Auftrag gegeben, eine Anlage in Prag musste nachgebessert werden. Eine neue europäische Richtlinie erforderte besonderen administrativen Aufwand, und eine gute Kollegin fiel aus, weil sie ihre Eltern pflegen musste. Kurz: Obwohl sein Nachfolger und das Team rund um die Uhr arbeiteten, konnte das Volumen nicht aufgefangen werden. Zwei Ingenieursstellen, die schnellstens ausgeschrieben wurden, blieben trotz mehrfacher Anzeigen offen.

Vorständen und Geschäftsführern bereitet der demografische Wandel Bauchschmerzen

Unser Land verändert sich, wir werden älter: Laut Statistischem Bundesamt gehen in Deutschland jedes Jahr rund 700.000 Menschen in Rente mit steigender Tendenz , das entspricht 2,1 Prozent der Erwerbstätigen (Stand 2011). Laut der neuen Bevölkerungsprognose des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) wird das Durchschnittsalter der deutschen Bevölkerung bis 2030 von derzeit 43 auf über 47 Jahre ansteigen, in weiten Teilen Ostdeutschlands sogar auf über 50 Jahre. 2020 werden auch zwei Drittel der Führungskräfte älter als 50 Jahre sein. Jeder dritte Bundesbürger ist 2025 65 Jahre und älter, mit steigender Lebenserwartung: Jeder zweite Mann in Deutschland wird dann statistisch gesehen über 80 Jahre alt, jede zweite Frau 85.

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