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Neuer Ausbildungsberuf

Neuer Ausbildungsberuf Fachkraft für Metalltechnik

 

Fragen an und Antworten von Hans-Josef Moor, Ausbildungsleiter SGL Carbon GmbH. Er ist seit vielen Jahren Bundes­sachverständiger der ­Arbeitgeber in den Neuordnungsverfahren verschiedener Metallberufe.

Herr Moor, Ihr Unternehmen bildet seit Jahrzehnten vor allem in dreieinhalbjährigen Metallberufen wie dem Industrie- oder Zerspanungsmechaniker aus. Gibt es denn einen Bedarf für einen neuen zweijährigen Metallberuf?

Moor: Wie in vielen anderen Unternehmen gibt es auch bei uns Tätigkeiten, für die man eine komplexe dreieinhalbjährige Ausbildung nicht benötigt. Solche Stellen haben wir in der Vergangenheit mit Quereinsteigern und Angelernten besetzt. Bei der Entwicklung der Fertigungstechniken mussten wir in der letzten Zeit immer mehr dieser Mitarbeiter durch betriebliche Weiterbildung nachqualifizieren. Das Qualifikationsprofil der Fachkraft für Metalltechnik entspricht nun den Anforderungen dieser Tätigkeiten. Ähnlich positive Erfahrungen konnten wir übrigens auch mit dem 2004 neu eingeführten Maschinen- und Anlagenführer machen.

Sehen Sie die Möglichkeit, dass Jugendliche, die aufgrund ihrer schulischen Leistungen bislang nur geringe Chancen bei der Bewerbung um einen Ausbildungsplatz in einem der dreieinhalbjährigen industriellen Metallberufe hatten, bei der Fachkraft für Metalltechnik zum Zuge kommen?

Moor: Durchaus. Diese Ausbildung ist sehr praxisorientiert. Beim Maschinen- und Anlagenführer haben wir festgestellt, dass das Lernen durch praktische Erfahrung ein erfolgreicher Weg ins Beschäftigungssystem ist. Auch hier entpuppt sich mancher als Spätzünder und startet dann richtig durch.

Nun gibt es ja auch kritische Stimmen zu zweijährigen Ausbildungsberufen. Die Gewerkschaften argumentieren, dass diese Berufe nur zu einer eingeschränkten beruflichen Mobilität führten. Die Ausbildungszeit sollte für diese Zielgruppe eher verlängert werden.

Moor: Unsere Erfahrungen zeigen, dass wir schulmüde Jugendliche nicht motivieren können, indem wir sie wie in der Schule weiterhin mit ­Theorie überfordern. Besser ist ein Ausbildungszeitraum, in dem die Jugendlichen über praktische Erfahrungen Lernerfolge generieren können. Auf diesen aufbauend können die Jugendlichen ob der Durchlässigkeit zu den Folgeberufen ja auch jederzeit durchstarten. Zudem müssen wir uns endgültig von der Vorstellung lösen, dass man nach zwei oder auch dreieinhalb Jahren ausgelernt hat. Lernen müssen wir im gesamten Berufsleben. Das Erlernen eines Ausbildungsberufes ist nur der erste Schritt. Und eine zweijährige Ausbildung ist viel besser als gar keine Ausbildung.