Startseite | Service-AGB-Datenschutz-Versandkosten | Mediainformationen | Autoreninfos | Impressum

W&B gehört seit 1948 zu den renommiertesten Fachzeitschriften der Beruflichen Bildung!

KMU: Die Nichtskönner

Meine Meinung

Politiker, die Reden halten, wissen: Der Mittelstand ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Was wäre Deutschland ohne seine KMU, die kleinen und mittleren Unternehmen!

Deshalb werden KMU gehegt und gepflegt. Ein ganzer Förderdschungel bietet jedem irgendwo irgendeine Subvention. Da Institutionen, die Fördermittel verteilen und Projekte entwickeln, ihr selbstloses Engagement begründen müssen, entsteht ein merkwürdiges Phänomen: Das KMU-Bashing. Das typische KMU ist in Veröffentlichungen, die über Förderprojekte berichten, ein ausgesprochen hilfsbedürftiges Wesen.

Da die folgenden Zitate ausgesucht wurden, um zum Nachdenken anzuregen und nicht um Autorenschelte zu betreiben, bleiben die Quellen das Geheimnis der Redaktion. Dass sie die Mentalität einer ganzen Förderkultur und Förderindustrie wiedergeben, kann jeder durch ein paar Stichproben überprüfen.

Zitate:

Weil KMU hierzu in der Regel die Ressourcen und Expertise fehlen, kann dies nicht ohne Beratungs- und Unter­stützungsangebote gelingen, die sie bei der Gestaltung ihrer Weiterbildung professionell unterstützen . Ach ja, KMU sind nicht professionell? Sie können sich keine externe Expertise auf dem Markt besorgen?

Hier (Arbeitgebermarke) müssen KMU von unabhängigen Stellen unterstützt werden. Müssen? Alle? Und wenn sie nicht wollen?

ist in den stark operativ arbeitenden mittelständischen Unternehmen vielfach ein hohes Informationsdefizit festzustellen. Hier mangelt es häufig schon an Basisinformationen, obwohl diese Informationen im Internet leicht zu finden sind. Und wer legt fest, was Unternehmer wissen müssen?

Dies (Fachkräftesicherung) fällt kleinen und mittleren Unternehmen . aufgrund mangelnder Ressourcen im Personalbereich oft schwerer als Großunternehmen. Jede Größe hat bekanntlich ihre Vor- und Nachteile.

Die Inanspruchnahme von Fördermaßnahmen durch KMU ist inzwischen auch zum Gegenstand wissenschaftlicher Forschung geworden. So hat man herausgefunden, dass sowohl die Suche nach einem geeigneten Förderprogramm als auch die Antragstellung der Förderprogramme für einige KMU mit zum Teil unüberwindbaren Schwierigkeiten verbunden ist und dass KMU auch noch die Fähigkeit zu einem systematischen Fördermittel-Management fehlt.

Alarm! Über 99 % der knapp 3,6 Mio. Unternehmen in Deutschland sind KMU. 99 % der deutschen Unternehmen brauchen dringend Unterstützung! Schlimmer! Sie sind gar nicht fähig, sich unterstützen zu lassen!

Nicht jedes Unterstützungsangebot ist per se falsch. Aber diese Begründungen suggerieren eine Hilfsbedürftigkeit, die wohl eher im Interesse der Förderer liegt. Solange es KMU s wirtschaftlich gut geht, sind sie offensichtlich in der Lage, die wirklich wichtigen Dinge zu regeln, oder?

Das letzte, was wir brauchen sind KMU, die ihre Managementkompetenz auf das Fördermittel-Management konzentrieren. Griechenland lässt grüßen. Dieses ganze KMU-Bashing ignoriert die Realität. Die Population der Mittleren, Kleinen und Kleinsten ist auch im Vergleich zu den nicht mal 1 % Großtieren äußerst überlebensfähig. Sonst wären sie kaum in der Lage, 55 % aller Arbeitnehmer zu beschäftigen, 38 % des Umsatzes aller Wirtschaftsunternehmen zu erbringen und sich im globalen Wettbewerb zu behaupten.

In der Regel läuft der Entscheidungsprozess in etwas so ab: Wir haben da so ein Projekt zu (nach Belieben ausfüllen). Gibt es hierfür irgendwelche Fördermittel?

Gibt es, garantiert. Aber: Die erste Klippe besteht darin, aus der riesigen Anzahl von Förderprogrammen das Richtige zu finden. Keine Sorge, auch dafür gibt es Förderprogramme. Und da Förderprogramme nachweislich in Anspruch genommen werden wer holt nicht gerne einen Teil der Steuergelder wieder zurück ist ihre Notwendigkeit hinreichend bewiesen. Und so schließt sich der Kreis.

Es leben die KMU! Sie sind einfach nicht tot zu kriegen! Nicht mal durch Förderung.